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Warum Skat?

"Frag immer erst: warum?" Simon Sinek


Beginnen wir beim Anfang. Bei unserer Existenz.


Nehmen wir an, die Wissenschaft liegt richtig damit, dass die Erde vor etwa 4,5 Milliarden Jahren entstand, das Universum knapp 9 Milliarden Jahre älter ist und sich der moderne Mensch (homo sapiens) vor ca. 300.000 Jahren entwickelte. Nun stellen wir uns vor, dass ein Jahr einem Zentimeter entspricht. Dann würde ein Menschenleben von 100 Jahren einem Meter entsprechen. 4,5 Milliarden Jahre wären damit gleich 45.000 km. Der Erdumfang beträgt etwas mehr als 40.000 km.


Nun stell dir vor, du würdest 3 km auf dem Äquator zurücklegen. Das entspräche der Zeit, die der moderne Mensch, wir, auf der Erde existiert. Gehe einen Meter und du bist dein Leben „gelaufen“.


Vor dem Hintergrund das unfassbare Glück zu haben, solch eine kurze Zeit auf diesem Planeten verbringen zu können: Wie viel Sinn ergeben dann Kriege, eine unglückliche Beziehung oder ein nicht zufriedenstellender Arbeitsplatz?


Wieso sollte man Jahre seines Lebens damit verbringen, Skat zu spielen?


Die folgenden 10 Ausführungen sollen bei der Beantwortung der Frage helfen, ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.


1. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied

Wann und wo wir auf diesem Planeten zur Welt kommen, liegt nicht in unserer Hand. Auch für unsere DNA können wir nichts. Ähnlich verhält es sich mit den 10 Karten, die uns jedes Mal neu zugeteilt werden. Allein, was wir daraus machen, liegt in unserer Macht. Was machst du aus deinen Karten?


2. Skat als nationales Kulturgut

Skat ist das meistgespielte Kartenspiel Deutschlands und seit 1813 ein Teil der deutschen Identität und Volkskultur. Zudem wurde es 2016 in das bundesweite Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe aufgenommen. Somit steht es unter anderem in einer Liste mit dem Schachdorf Ströbeck, Poetry-Slam, dem Hebammenwesen, der Falknerei und vielen weiteren Traditionen, Bräuchen, Ritualen, Handwerken, Darstellenden Künsten, und Wissen und Praktiken im Umgang mit der Natur.


3. Kognitiver Boost

Wird Skat über einen längeren Zeitraum hinweg gespielt, so besitzt es das Potenzial, exekutive Funktionen wie das Arbeitsgedächtnis, die Impulskontrolle, die Aufmerksamkeitssteuerung, das Kopfrechnen, logisches Schlussfolgern und Emotionsregulation zu verbessern. Alles kognitive Fähigkeiten, die schon in der Kindheit trainiert werden können und somit zu besseren Entscheidungen und mehr Zufriedenheit beruflich wie privat führen können.


4. Das psychologische Duell und die Schule des Lebens

Bluffen, Lesen des Gegners, Reizen als Poker-Element: Skat ist auch ein Spiel der Menschenkenntnis und mentalen Stärke. Doch nicht nur das. Der Umgang mit Glück und Pech, Sieg und Niederlage, Freude und Frust, Risikobereitschaft und Verantwortung für eigene Entscheidungen gehört dazu. Wer Skat spielt, lernt mehr als nur ein Kartenspiel.


5. Skat verbindet Generationen und Nationen

Am Skattisch sitzen Großeltern mit ihren Enkeln. Europäer und Nordamerikaner. Als Gleichgestellte – das Spiel schafft generationenübergreifende und internationale Gemeinschaften wie kaum ein anderes. Auf der Webseite der ISPA World (International Skat Players Association) finden sich 20 über den Erdball verteilte Sektionen. So haben deutsche Auswanderer zum Beispiel in Chile, Argentinien, Südafrika, Australien, den Vereinten Arabischen Emiraten oder Spanien Vereine und nationale Verbände gegründet, die teilweise ihre eigenen Landesmeisterschaften austragen. An den alternierenden Europa- oder Weltmeisterschaften nehmen jährlich hunderte Skatspieler und Skatspielerinnen aus fast allen Kontinenten teil.


6. Skat als sozialer Anker

Private und offizielle Skatrunden sind Orte des Austauschs, des Lachens und der Geselligkeit – das Spiel ist oft nur der Rahmen für echte menschliche Verbindungen. Am Tisch sind alle gleich. Ob Geselle oder Manager, ob Handwerker oder Akademiker. Erworbenes Wissen, akademische Grade und erlernte Fertigkeiten spielen nur eine untergeordnete Rolle am Skattisch. Niemand gewinnt eine Diskussion über die korrekten Spielzüge aufgrund seines sozialen Status oder Profession.


7. Der Reiz des Solo-Moments

Eine einzigartige Konstellation: Einer gegen zwei. Diese asymmetrische Dynamik erzeugt Spannung und Dramatik, die andere Kartenspiele nicht kennen.


8. Skat im digitalen Zeitalter

Online-Plattformen, Skat-Apps, TV-Übertragungen und internationale Turniere zeigen, dass Skat lebendig und modern ist – ohne seinen ursprünglichen Charme zu verlieren.


9. Lebenslanges Lernen durch unvorstellbare Variationen

Beim Skat sind 2,75 Billiarden verschiedene Kartenverteilungen möglich. Würde man an 1000 Tischen gleichzeitig Skat spielen und für jedes Spiel eine Minute benötigen, dann hätte man nach 5,2 Millionen Jahren alle mathematisch möglichen Kartenverteilungen einmal abgespielt. Ohne Dopplung. Somit stehen die Chancen gut, dass du in deiner Skatkarriere keine zweimal auf dieselbe Kartenkonstellation triffst, wodurch ein lebenslanges Lernen möglich ist.


10. Wie fühlt es sich an, die Zukunft vorherzusehen?

Skat gehört zu den Spielen mit unvollständiger Information. Im Gegensatz zum Schach, wo alle Figuren für jeden sichtbar auf dem Brett stehen, entfalten sich im Skat die Kartenkonstellationen aller Parteien erst im Verlauf des Spiels. Dadurch werden optimale, das heißt gewinnende, Spielverläufe oftmals erst in der Nachbetrachtung ersichtlich. Und dennoch lässt sich mithilfe von analytischen Fähigkeiten, logischen Schlussfolgerungen und visuellem Vorstellungsvermögen die Gewinnwahrscheinlichkeit erhöhen und somit der Spielausgang einer Partie beeinflussen. Demnach ist es im Skat in gewisser Weise möglich, die Zukunft vorherzusehen und seine eigene Realität zu schaffen. Auf lange Sicht lässt sich dadurch der immanente Faktor Zufall ausgleichen und das eigene Schicksal ein Stück weit selbst in die Hand nehmen.


Letztendlich kann nur jeder für sich eine Antwort auf die Ausgangsfrage finden.


Hier ist meine persönliche „Antwort“:


Wie kannst du Skat nicht spielen!?


PS: Was verbindet ihr mit dem Skatspielen? Wieso spielt ihr Skat?

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